Feuer

Feuer

19. Juli 2026 4 Von Silvernomads

Für einmal rollen wir das Feld von hinten auf. Es wird langsam Zeit, dass unser Blog unseren momentanen Standort etwas zeitnaher wiedergibt als auch schon. Ein Rückblick bleibt es allemal.

Wir befinden uns ca 20 Kilometer vor Jasper/Britisch Kolumbien, als die Landschaft beginnt, sich kontinuierlich zu verändern. Die mittlerweile so vertrauten, dichten grünen Wälder links und rechts der Strasse weichen einer zunehmend unwirklichen und tristen Landschaft: Die Farben grau und schwarz beherrschen das Bild, ein Chaos von umgestürzten, verbrannten Bäumen, hunderte von Baumstämmen, die wie riesige Streichhölzer in den Himmel ragen. All das, soweit das Auge reicht. Gleichzeitig verspricht die Natur neues Leben: Am Boden spriesst Gras, in leuchtendem Grün.

Da erinnern wir uns: An die Medienberichte vor zwei Jahren, welche über das „Monsterfeuer“ im touristischen Hotspot berichteten. Waldbrände gehören zu Kanada wie das Amen in der Kirche. Aber nicht in dieser Heftigkeit. Heute wissen wir: Rund 360 Häuser (ein Drittel) in Jasper brannten nieder, 25‘000 Menschen mussten fliehen, eine Fläche von ca. 330 km2 wurde verbrannt und eine der bislang teuersten Naturkatastrophen Kanadas forderte das Leben eines Feuerwehrmannes. Auslöser des Desasters waren Blitze. Trockenheit und starke Winde haben das ihrige beigetragen.

Und hier sitzen wir nun: Auf den neuen Holzbänken im Nationalpark-Campplatz nahe bei Jasper. Wo vor zwei Jahren Bäume für eine behagliche Privatsphäre sorgten, wächst nun Gras. Der Blick über den ganzen Campingplatz ist frei, kein einziger Baum versperrt die Sicht auf die verbrannte Waldfläche am gegenüberliegenden Hügel. Dieser Anblick berührt, macht traurig. Dann kommen uns in die Worte der Parkrangerin in den Sinn: „Ja, Feuer hatten wir genug. Jetzt lassen wir der Natur einfach ihren Lauf. Und nur schlecht für den Wald war dieses Feuer ja auch nicht. Es wird Jahrzehnte dauern und gleich aussehen wie früher wird er kaum mehr. Aber wir Menschen haben damit sehr viel mehr Mühe dies zu begreifen als die Natur.“ Wie wahr.

Nochmals ein paar Tage zurück: Wir befinden uns gemäss Google 70 km vor Banff. Die Wettervorhersage ist so gut, dass wir kurzentschlossen online Tickets für die Gondelbahn in Banff kaufen, um sehr früh am Morgen auf den „Sulphur Mountain“ zu gelangen. Nicht meine Zeit – aber die Aussicht auf eine bombastische Aussicht bei verhältnismässig wenig Touristen und der realen Möglichkeit auf einen Parkplatz an der Talstation lassen den bevorstehenden Effort in einem etwas anderen Licht erscheinen.

Nachdem sich diese 70 km beim zweiten Check dann als Luftlinie und veritable 130 km entpuppten, gab es nur noch eins: Ab ins Bett um den Wecker um 05.00 Uhr nicht zu verpassen. Dass er bereits um 04.00 Uhr läutete, war unserem Nichtbeachten der Zeitverschiebung um eine Stunde am Tag vorher geschuldet.

Je näher wir dann Banff kamen, desto mehr entfernte sich das Wetter von den Prognosen: Es wurde zunehmend grau und die Landschaft hüllte sich in einen eigentümlichen Dunst. Die Aussicht auf dem Berg: Nicht der Rede wert. Bis wir dann aufgeklärt wurden: Das Wetter wäre ja eigentlich schon schön, aber der Rauch eines grossen Feuers etwa 100 km südlich von hier verunmöglicht die eigentlich für heute angesagte klare Sicht. Wohl denn: Wir machen das Beste aus der Situation, beschliessen, noch ein bisschen zu bleiben, abzuwarten und schlagen uns zum Zeitvertreib die Bäuche am Buffet voll. Stunden später lassen wir uns gemütlich wieder ins Tal gondeln und stossen abends im Columbus auf unseren «Ausflug mit Hindernissen an».

Und was haben wir sonst noch erlebt, seit wir Quebec hinter uns gelassen haben? Auf unserer Fahrt quer durch Kanada wechselte das Landschaftsbild von Wäldern und Seen hin zu riesigen Kornfeldern – wir befinden uns mitten in der Kornkammer Kanadas, welcher die nicht minder imposanten Ölfelder folgen. In der geografischen Mitte Kanadas setzen wir uns auf den obligaten roten Stuhl, reisen von einem Nationalpark oder Provinzpark in den nächsten, geniessen herrlich stille und klare Nächte inmitten unberührter Landschaften. Um dann schliesslich in Banff schön brav mitzuschwimmen: In den Touristenströmen. Kein Wunder: All diese Seen mit den verheissungsvollen Namen Louise, Moraine, Peyto, Emerald, Maligne, Vista und wie sie alle heissen, sind einfach Naturschönheiten. Bei bestem Wetter durchfuhren wir den Icefield Parkway und standen frühmorgens (schon wieder!) am Fusse des Athabasca-Gletschers.

Ja, und da war noch dieser Bär: Auf einer Strasse, wo Tempo 90 erlaubt ist. Der einfach so von rechts aus einem Gebüsch auf die Strasse trottete. Mitten auf der Strasse stehen bleibt und Columbus mustert. Fredi schafft es, unser Auto rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Und der Bär kann seine Strassenüberquerung schadlos beenden. Das Auto hinter uns kommt mit quietschenden Bremsen links neben uns zum Stehen.

Es hätte anders enden können: Columbus vorne defekt, weil ein Bär gerammt. Columbus hinten eingetätscht, weil ein Kanadier einmal mehr zu dicht auffuhr und nicht rechtzeitig bremsen konnte. Glück gehabt 😊


Titelbild: Peyto Lake

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