Jubel im Cockpit

Jubel im Cockpit

11. Juni 2026 4 Von Silvernomads

John Cabot oder Giovanni Cabotto: Uns bis dato völlig unbekannt, was durchaus damit zu tun haben könnte, dass wir diesen, eventuell vermittelten Lernstoff aus unserer Schulzeit erfolgreich verdrängt haben. Oder gerade mit anderen Dingen beschäftigt waren.

Jetzt aber wissen wir: Giovanni Cabotto war Italiener, Seefahrer und Entdecker. Er segelte unter englischer Flagge und deshalb als John Cabot mit seinem kleinen Schiff Matthew von Bristol los auf der Suche nach China. Nix China. Stattdessen traf er als erster Europäer nach den Vikingern auf Neufundland. Und er soll, als er das Land sah, ausgerufen haben: New found land! Wen wundert es also, dass Neufundland heute so heisst?

Und da sind wir nun, in diesem östlichsten Zipfel Kanadas. Neufundland empfängt uns kühl, um nicht zu sagen unterkühlt. Die nächtliche Überfahrt mit der Fähre hat Columbus problemlos, Fredi anstandslos und ich mit Anstand überstanden. Der Wellengang war etwas garstig.

Columbus wird aus dem behaglich trockenen Schiffsbauch gerollt und dann geht es los: Stürmischer Wind, es regnet quer, längs und breit. Kein Zweifel, der Frühling macht hier gerade Pause. Dass wir dann aber noch kilometerlang einer Schneeschnutzi hinterherfahren müssen, hat unsere kühnsten Erwartungen übertroffen. Und auch sonst verlief Tag eins im neu gefundenen Land nicht ganz so wie erwartet: Das „Visitor Centre“ war natürlich noch geschlossen (closed for the season). Und der Wasserdruck an der Quelle, wo wir unseren Wassertank auffüllen wollten, nicht ausreichend, so dass dieses Vorhaben erfolglos abgebrochen werden musste. Die Einheimischen, die ebenfalls an dieser Quelle für Wasser anstehen um dem chlorhaltigen Leitungswasser ein Schnippchen zu schlagen, sehen unseren Bemühungen gelassen zu.

Tags darauf ändern sich die Dinge schlagartig. Strahlend blauer Himmel und Temperaturen leicht über dem Gefrierpunkt – was will man noch mehr? Nachdem wir nach ein paar weiteren erfolglosen Versuchen doch noch zu gutem Wasser kommen, machen wir uns auf, Neufundland zu erkunden. Unser Interesse gilt vor allem den Eisbergen, welche um diese Jahreszeit, von Grönland herkommend, in der sogenannten „Iceberg Alley“ südwärts treiben. Längst nicht alle schaffen es bis hierhin und der Jubel im Cockpit ist beträchtlich, (das Feiern am Abend beim Apéro entsprechend) als wir in Twillingate den ersten – wenn auch kleinen – Eisberg erblicken.

Gejubelt wird in den kommenden Tagen und Wochen im Cockpit immer wieder. Nicht nur wegen der Eisberge. Sondern beispielsweise auch, als wir in Windsor Falls zum ersten Mal auf unserer Reise überhaupt nicht vor einem geschlossenen Museum stehen. Selbiges hat seine Türen erst vor 2 Tagen geöffnet und wir interessierten uns vor allem für die Geschichte des indigenen Volkes der Beothuk. Zwar waren die meisten Schaukästen noch leer (man kann nicht alles haben) aber es war trotzdem so einiges über die Vertreibung und die schlussendliche, tragische Ausrottung dieses Volkes in Erfahrung zu bringen.

So gesehen erging es uns dort also um einiges besser als am Cape Race: Die dortige Marconi-Station – heute ein kleines Museum – empfing die Notrufsignale der sinkenden Titanic und leitete sie an andere Stationen und Rettungsschiffe weiter. Closed for the season. Das war ja schon bei Marconi in North Sydney so…..also nichts neues unter dem bissigen Wind.

Giovanni war übrigens nicht der Einzige, der sich in früheren Zeiten (ungewollt) für Neufundland interessierte. Auch James Cook war hier, um die Küsten der Insel zu kartografieren und zu seinen Ehren gibt es den sogenannten James-Cook-Aussichtspunkt, von aus er gearbeitet haben soll. Da mussten wir natürlich hin, keine Frage Der Weg führte – wen erstaunt es – vor allem bergauf und über unzählige Holztreppen. Für den Abstieg hätten wir gegen eine Rutschbahn nichts einzuwenden gehabt.

James Cook Lookout

Nochmals zurück zu den Eisbergen: Jaaaa, wir geben es gerne zu: Wir scheuten praktisch keinen Aufwand, diese Naturschönheiten aufzuspüren, benutzten sämtliche uns zur Verfügung stehenden Kontakte und Netzwerke um zu wissen, wo einer zu sehen war. Bisweilen nahm unsere selbst auferlegte „Mission Iceberg“ bizarre Formen an: Jede grössere weisse Fläche entlang der Küste wurde sofort verdächtigt, ein Eisberg zu sein. Buh-Rufe wurden laut im Cockpit, wenn sich das Objekt der Begierde beim Näherkommen als Hausdach oder als grosses, weisses Industriegebäude entpuppte. Seltenheitswert hat zweifelsohne der im Brustton der Überzeugung gemachte Ausruf: „Hei schau, da unten an der Küste steht ein Kirchturm!“. Selbiger entpuppte sich dann aber nach der nächsten Kurve als …. ein Eisberg! 😊

Zum Schluss noch etwas in eigener Sache: Wir werden hin und wieder darauf aufmerksam gemacht, dass erfolglos versucht wird, einen Kommentar bei unseren Blogs zu hinterlassen, der dann aber nicht veröffentlicht wird. Wir bedauern das sehr, lebt doch dieser Blog auch von der Interaktion mit all den lieben Menschen, die unsere Abenteuer mitverfolgen. FoxComputers (merci Michael!) hat nun einiges an den Einstellungen verändert, sodass es in Zukunft besser klappen könnte. Was mit Sicherheit feststeht: Wenn ihr einen Kommentar hinterlässt: Nach dem Klicken auf „Kommentar abschicken“ darauf achten, dass folgende Meldung erscheint: „Dein Kommentar wartet auf Freischaltung. Dies ist eine Vorschau. Dein Kommentar wird sichtbar, nachdem er freigegeben wurde“. Wenn diese Meldung nicht erscheint, bedeutet dies, dass der Kommentar bereits auf dem Weg in unseren elektronischen Briefkasten geblockt wurde. Was in diesem Fall meistens hilft: Noch ein zweites Mal probieren. 😊Merci!

Titelbild: An der Küste von Salvage

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